Wachtumsmarkt Seniorenversicherung
Demografische Entwicklung in Deutschland /  Pflegebedürftigkeit /  Expertise der E+S Rück /  Bedürfnisse älterer Menschen /  Produkte /  Vermarktung in der Generation 50+ / 
Demografische Entwicklung in Deutschland
Der Seniorenmarkt ist einer der Wachstumsmärkte für die Lebensversicherung: unser Land steht vor einem großen demografischen Wandel. Die heutige Einwohnerzahl wird sich von 82,3 Mio. bis zum Jahr 2050 auf etwa 68 Mio. bis 74 Mio. verringern. So wird die Zahl der unter 50-Jährigen von 51 Mio. um 31 % auf weniger als 35 Mio. sinken. Hingegen wächst die Generation 50+ von jetzt 31 Mio. um 19 % auf ca. 37 Mio. Die Zahl der Personen, die über 80 Jahre alt sind, steigt von 3,8 Mio. auf über 10 Mio. (+163 %).
Eine Hauptursache ist die niedrige Geburtenrate, mit der Deutschland im europäischen Vergleich nur im hinteren Mittelfeld rangiert. Eklatant machen sich die unterschiedlichen Geburtenraten in der Entwicklung der Alterspyramide bemerkbar (siehe rechte Spalte). Deutschland und Großbritannien haben heute ähnliche Altersverteilungen; die prognostizierte Situation im Jahr 2050 stellt sich sehr unterschiedlich dar: Während in Großbritannien lediglich die Zahl der Generation 60+ deutlich zunimmt, vermindert sich in Deutschland zugleich die Zahl der Jüngeren merklich.
Pflegebedürftigkeit
Die rapide Alterung stellt die Gesellschaft vor gravierende Probleme. Einige davon, wie beispielsweise die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung, rücken zunehmend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Andere hingegen, wie eine zunehmende Pflegebedürftigkeit oder Demenz, stehen derzeit noch wenig im Fokus. Dabei prognostiziert die Rürup-Kommission bis zum Jahr 2040 ein Anwachsen der Pflegefälle von heute 2,13 Mio. auf 3,4 Mio. Bezogen auf die erwartete Gesamtbevölkerung bedeutet dies einen Anteil von 5 % gegenüber den heutigen 2,6 %. Diese nahezu verdoppelte Pflegeprävalenz resultiert fast ausschließlich aus der Alterung der Bevölkerung, da mit zunehmendem Alter auch die Gefahr einer Pflegebedürftigkeit stark zunimmt.
Trotz des hohen persönlichen Risikos und der damit verbundenen enormen finanziellen Belastungen aus der Pflegebedürftigkeit ist das Problem in der breiten Bevölkerung bisher wenig präsent. So wurden im Jahr 2006 lediglich ca. 9.200 private Pflegerentenversicherungen in der Lebensversicherung verkauft. Die hohen Wachstumsraten von durchschnittlich 82 % in den letzten fünf Jahren zeigen aber auch, dass sich das Problembewusstsein zunehmend erhöht.
Expertise der E+S Rück
Die E+S Rück hat es sich zum Ziel gesetzt, der führende Rückversicherungspartner im Segment der Seniorenversicherungen zu werden. Wir verfügen über substanzielles Know-how hinsichtlich der speziellen Risiken älterer Menschen, ihrer Bedürfnisse sowie geeigneter Produkte und können im
Bedürfnisse älterer Menschen
Älterwerden und Altsein spielen sich heute in Deutschland vor dem Hintergrund des tief greifenden demografischen Wandels und eines einschneidenden Umbaus im Renten- und Gesundheitswesen ab. Objektiv erfordern diese Entwicklungen eine verstärkte private Vorsorge. Zugleich ergeben sich im Hinblick auf die mit der Ruhestandsphase verknüpften Erwartungen und Befürchtungen aber auch ganz subjektiv empfundene Bedürfnisse älterer Menschen.
In Kooperation mit einem der führenden deutschen Marktanalyse-Institute hat die E+S Rück eine qualitative Wirkungsanalyse durchführen lassen, um die versicherungsrelevante Bedarfssituation älterer Menschen gezielt abzuklären. Als Grundbedürfnisse wurden identifiziert:
- das Streben nach sozialer Einbindung,
- nach Gesundheit
- sowie nach Unabhängigkeit (sowohl was physische Mobilität als auch was finanzielle Eigenständigkeit angeht).
Darüber hinaus zeichnete sich deutlich die Tendenz ab, vorhandene Vermögenswerte nicht mehr zu vererben, sondern im Rahmen der Organisation des neuen und letzten Lebensabschnitts zur Finanzierung der eigenen Bedürfnisse einzusetzen.
Für die Entwicklung bedarfsgerechter Versicherungsprodukte ergeben sich hieraus vielfältige Ansatzpunkte. Sie knüpfen nicht nur an den Wunsch nach Sicherung des Lebensstandards im Rentenalter an, sondern betreffen auch unmittelbar risikoorientierte Versicherungsmotive – wie die Absicherung der mit dem Alter zunehmenden Krankheits-, Unfall-, Pflegefall- oder Langlebigkeitsrisiken.
Unabhängig von den festgestellten Grundbedürfnissen ist davon auszugehen, dass der Seniorenmarkt von heterogenen und komplexen Anforderungen geprägt wird. So spielt das chronologische Alter bei der Differenzierung von Zielgruppen eine eher untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen die persönlichen Lebensumstände, wie
- Gesundheitszustand,
- Vermögenssituation
- und familiärer Hintergrund.
Diese Aspekte stellen für die Produktentwicklung, das Marketing und die vertriebliche Positionierung bedarfsgerechter Versicherungslösungen für Senioren die wesentlichen Herausforderungen dar.
Für die Beurteilung des wirtschaftlichen Potenzials, das der Seniorenmarkt birgt, ist zu unterstreichen, dass sich diese wachsende Zielgruppe nicht nur durch vielfältige versicherungsrelevante Bedürfnisse auszeichnet – sie verfügt auch über die Mittel, diese zu finanzieren. So besitzt die Generation der über 50-Jährigen in Deutschland mehr als die Hälfte aller Vermögenswerte, ergänzt zum einen durch die wachsende Anzahl ablaufender Lebensversicherungen mit reinvestierbaren Ablaufleistungen, zum anderen durch die zunehmende Vererbung auf diese Altersgruppe.
Produkte
Bei den traditionellen Zielgruppen für die Lebensversicherung stehen die Absicherung von Hinterbliebenen bzw. der Vermögensaufbau im Vordergrund. Für die Zielgruppe der älteren Menschen dagegen liegt der Fokus auf der Sicherung des bereits erworbenen Lebensstandards und auf der Erhaltung der Unabhängigkeit.
Je nach gewünschter Art der Absicherung bzw. orientiert am individuellen Gesundheitszustand stehen für ältere Menschen verschiedene, sehr interessante Produktkonzepte zur Verfügung:
Seniorenunfallversicherung
Auf Grund ihres deutlich höheren Invaliditätsrisikos werden ältere Menschen in der traditionellen Unfallversicherung meist nicht versichert. Die speziell für diese Altersgruppe entwickelte Seniorenunfallversicherung koppelt ihre Leistungen an den Grad der unfallbedingten Invalidität. Sie sieht die Zahlung einer der Höhe nach vereinbarten laufenden Rente vor, mit der beispielsweise ein notwendiger Heimaufenthalt oder die Betreuung in der bisherigen Umgebung finanziert werden können. Diese Leistungsform ist nicht nur bedarfsgerechter als eine Einmalleistung; der altersbedingte Beitragsanstieg kann deutlich gemildert werden. Das Produktkonzept lässt sich durch altersspezifische Aspekte (z. B. Zusatzleistungen bei Oberschenkelhalsbruch) ergänzen. Ebenso ist eine Erhöhung der Rente möglich, wenn unfallbedingt eine Pflegebedürftigkeit eintritt.
Anwartschaftliche Pflegerentenversicherung
Eine anwartschaftliche Pflegerentenversicherung sichert das hohe finanzielle Risiko eines Pflegefalls ab. Auch hier stehen flexible Lösungen zur Verfügung: Neben einer verkürzten bzw. lebenslangen Beitragszahlung zusätzlich oder alternativ ist die Zahlung eines Einmalbeitrags möglich (z. B. aus ablaufenden Lebensversicherungen). Die Höhe der Rentenleistung kann je nach Grad der Pflegebedürftigkeit differenziert werden, und auch eine Unterscheidung nach stationärer bzw. ambulanter Betreuung ist möglich. Ein weitergehender Versicherungsschutz, etwa gegen Demenz, ist ebenfalls möglich. Darüber hinaus können Sofortleistungen für den Eintritt der Pflegebedürftigkeit vorgesehen werden, mit denen etwa ein am Pflegebedarf orientierter Umbau der Wohnung finanziert werden kann. Neben reiner Absicherung der Pflegebedürftigkeit kann zusätzlich auch das Todesfallrisiko abgesichert werden.
Vorzugsrente
Für ältere Personen mit bereits eingeschränkter Gesundheit ist der Abschluss einer klassischen Leibrentenversicherung oft nicht mehr attraktiv. Auch für diese Kundengruppe gibt es aber interessante Deckungskonzepte: Auf Basis des individuellen Gesundheitszustandes – der IT-gestützt oder anhand eines Hausarztberichtes festgestellt wird – kann bei starken Rauchern oder bei Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes mellitus usw. durch Abschluss einer Vorzugsrente eine zum Teil deutlich höhere Leistung als bei einer Standardrente erreicht werden.
Sofort beginnenden Pflegerentenversicherung für bereits Pflegebedürftige
Durch den Abschluss einer sofort beginnenden Pflegerentenversicherung für bereits Pflegebedürftige lässt sich die Planungssicherheit für die unter Umständen unterhaltspflichtigen Angehörigen erhöhen – außerdem können vorhandene Vermögen abgesichert werden. Wie bei der Vorzugsrente erfolgt die Bestimmung der Rentenhöhe auch hier auf Basis des individuellen Gesundheitszustandes bei Vertragsabschluss.
Assistance-Leistungen
Neben reinen Rentenzahlungen, mit denen Versicherte z. B. eine Heimunterbringung finanzieren können, steht gerade für ältere Personen die praktische Hilfeleistung im Vordergrund. Durch Einbeziehung so genannter Assistance-Leistungen in ihren Versicherungsschutz können sie im Bedarfsfall eine Versorgung mit regelmäßigem Mittagessen, die Reinigung der Wohnung, Begleitung bei Arztgängen, Betreuung von Haustieren usw. sicherstellen. Auf diese Weise wird neben einer finanziellen Absicherung die Unabhängigkeit erhöht und ggf. ein Verbleib in gewohnter Umgebung erst möglich gemacht.
Assistance-Leistungen stellen eine sinnvolle Ergänzung zur Seniorenunfallversicherung dar, können jedoch den Kundennutzen auch bei Produkten wie der anwartschaftlichen Pflegerentenversicherung noch weiter erhöhen.
Vermarktung in der Generation 50+
Traditionell wendet sich die Lebensversicherung in Deutschland an die Gruppe der 25- bis 50-Jährigen. Ihre Angebote umfassen neben reinem Risikoschutz vor allem Produkte, die einen planmäßigen Vermögensaufbau zur Altersvorsorge anstreben.
Haben die Kunden das Ruhestandsalter erreicht, so lassen sie sich die Versicherungsleistung meist auszahlen und investieren diese in der Regel am Kapitalmarkt. Damit sind zumeist Banken die natürlichen Ansprechpartner für die weitere Finanzplanung. An diesem generellen Verhaltensmuster haben bisher auch zahlreiche Initiativen zur Erhöhung der Wiederanlagequoten sowie erhöhte Anteile an aufgeschobenen Rentenversicherungen wenig ändern können.
Das Gebiet „Finanzplanung und Risikoabsicherung im Ruhestand“ ist in Deutschland noch wenig entwickelt, wie ein Vergleich mit Nachbarländern zeigt. Betrachtet man zum Beispiel die Bedeutung der sofort beginnenden Rentenversicherung, so besteht hier ein erheblicher Nachholbedarf – insbesondere im Vergleich zu Großbritannien.
Das „Entsparen“ ist traditionell ein Thema der Banken. Die besonderen Risiken des Alterns, wie Langlebigkeit, Hilfe- und Pflegebedürftigkeit, rücken erst nach und nach ins Bewusstsein – dies auch deshalb, weil sich diese Risiken in der Regel erst deutlich später realisieren, als die Finanzmittel zur Disposition stehen.
Risiken, die weit in der Zukunft liegen, werden als weniger bedrohlich wahrgenommen. Das ist menschlich. Es ist daher eine Kernaufgabe bei der Vermarktung, die speziellen Risiken des Alters transparent zu machen. Hier bestehen erhebliche Potenziale – vorausgesetzt, es gelingt den Lebensversicherern, in der Gegenüberstellung mit den Vermögensverwaltungslösungen der Banken eine eigenständige Marketingposition aufzubauen.
Die E+S Rück unterstützt ihre Kunden bei der Erschließung des Seniorenmarktes in vielfältiger Weise – von der Erstellung von Geschäftsplänen über die Ausgestaltung innovativer Produkte und Kalkulationsgrundlagen bis hin zur Vertriebsschulung und Leistungsfallbearbeitung. Bei all diesen Belangen können sich die Zedenten auf unsere umfangreiche medizinische und aktuarielle Expertise sowie auf unsere internationalen Erfahrungen verlassen.