Die Schaden-Rückversicherung
Auf den folgenden Seiten geben wir Ihnen einen Überblick über die Entstehung der Rückversicherung, deren Entwicklung bis heute ins 21. Jahrhundert. Sie finden Informationen zum Markt und der aktuellen Situation der E+S Rück.
Entstehung der Rückversicherung
Diese "ur-traditionelle" Rückversicherungsform findet ihre Anfänge im 14. Jahrhundert. Zur damaligen Zeit waren die Menschen im besonderen Maße abhängig von der Seefahrt, die sämtliche Güter und Nahrungsmittel über eine weite Entfernung zu den Handelsstätten beförderte. Zur Absicherung des Verlustes von Warenladungen, wurden Seeversicherungsverträge geschlossen. Der Erstversicherer, der die Ladung versicherte, gab den gefährlichen Teil der Strecke bei einem anderen Versicherer in Rückdeckung. Der erste nachweisliche Vertrag datierte vom 12.07.1370, wo eine Warenladung auf dem Seeweg von Genua nach Sluis versichert war. Dieser Vertrag wird als Geburtsort des Rückversicherungsgedankens angesehen.
Bis heute hat sich dieser Gedanke der Risikoaufteilung fortgeführt. Die damalige Versicherungsform hat auch heute noch Bestand und ist in der Sparte Transport angesiedelt. Über die Jahrhunderte kamen weitere Sparten hinzu, die rückversichert werden.
Heute, im 21. Jahrhundert, betreibt die E+S Rück im Bereich Schaden-Rückversicherung folgende Sparten: Feuer, Haftpflicht, Allgemeine Unfall, Kraftfahrt, Transport, Kredit, Kaution und sonstige Zweige (z.B. Rechtsschutz, VHV, VGV, Hagel, etc.); und zwar entweder auf der Basis des obligatorischen Vertragsgeschäftes oder im Wege der fakultativen (Einzelrisiko-) Rückversicherung.
Entwicklungen im Markt 2011
Die Beitragseinnahmen in der Versicherungswirtschaft insgesamt gehen in 2011 voraussichtlich um 1,2 % auf über 176 Mrd. EUR zurück, nachdem das Beitragswachstum in 2009 bei 4,2 % und in 2010 bei 4,4 % gelegen hatte. Bereits in 2012 sollte allerdings schon wieder ein leichtes Beitragsplus erreicht werden, sofern sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht zu sehr eintrüben. Um voraussichtlich 7 % auf gut 147 Mrd. EUR steigen in 2011 die von den Erstversicherern erbrachten Versicherungsleistungen. Eine zunehmende Zahl regulärer Abläufe von in früheren Jahren und Jahrzehnten abgeschlossenen Verträgen in der Lebensversicherung, im Bereich der Privaten Krankenversicherung wirksam werdende höhere Gesundheitskosten und steigende Schadenaufwendungen in der Schaden- und Unfallversicherung tragen zu dieser Entwicklung bei.
Marktbedingungen 2011
Die deutsche Versicherungswirtschaft hat sich in diesem wirtschaftlichen Umfeld als Stabilitätsanker bewährt. Die Nachfrage nach Versicherungsschutz erwies sich auch in den Jahren von Bankenkrise und Rezession als robust, die Kapitalanlagen und die Ertragslage der Branche ebenso wie die Beschäftigung im Versicherungssektor blieben weitgehend stabil.
Natürlich war auch die deutsche Versicherungswirtschaft in vielfältiger Weise von der Krise betroffen; sie konnte bisher die entsprechenden Herausforderungen dennoch gut meistern. Besonders stiegen in den Jahren 2009 und 2010 angesichts der Krise die Einmalbeiträge in der Lebensversicherung an, die auch insgesamt für ein überdurchschnittlich hohes Beitragswachstum sorgten. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) zeichnet sich für 2011 nach vorläufigen Zahlen ein leichter Rückgang des Beitragsaufkommens in der deutschen Versicherungswirtschaft ab, der jedoch ausschließlich auf die Normalisierung des zuvor außergewöhnlich hohen Einmalbeitragsgeschäfts in der Lebensversicherung – ein Abebben des Neuzugangs – zurückzuführen ist.
Allgemeiner Überblick
Die E+S Rück, der Rückversicherer für Deutschland, hatte im Geschäftsjahr 2011 in ihrem Heimatmarkt, dem weltweit zweitgrößten Schaden-Rückversicherungsmarkt, unverändert die zweite Position unter den Rückversicherern inne. Bei der Rückversicherung von Kraftfahrtgeschäft sind wir sogar die Nr. 1. Der Erfolg unserer Arbeit basiert auf unserem Fokus auf das deutsche Geschäft, unserer ausgeprägten Kundenorientierung und der langjährigen Kontinuität in den Geschäftsbeziehungen sowie unserer hervorragenden Bonität. Diese Strategie wird honoriert: Unseren Kundenkreis in Deutschland konnten wir in den letzten Jahren Schritt für Schritt weiter ausbauen und unsere Marktposition damit festigen.
Die Position der E+S Rück
Die Situation im deutschen Markt war im Berichtsjahr positiv beeinflusst von einem gestiegenen Bruttoinlandsprodukt, aber auch von Nachwirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise gekennzeichnet. Die historisch niedrigen Zinsen führten erneut zu deutlich verminderten Zinserträgen, die wesentlicher Teil der Kalkulation in den lang abwickelnden Sparten wie der Kraftfahrt-Haftpflicht und der Allgemeinen Haftpflicht sind. Operativ verzeichneten wir im Geschäftsjahr 2011 in Deutschland erfreuliche Prämienzuwächse in unseren Sparten Haftpflicht, Kraftfahrt und Feuer sowie in den sonstigen Zweigen. Allerdings bewirkten spürbar geringere Prämieneinnahmen in unserem deutschen Lebensrückversicherungsgeschäft einen leichten Rückgang unseres gesamten deutschen Prämienvolumens um 1,4 % auf 1.141,6 Mio. EUR (1.157,9 Mio. EUR).
Unser internationales Geschäft beziehen wir fast ausschließlich aus dem internen Retrozessionsabkommen mit der weltweit tätigen Hannover Rück. Innerhalb dieses Abkommens tauschen die E+S Rück und die Hannover Rück Geschäft aus und erreichen so eine breitere Risikostreuung und geografische Diversifizierung ihrer Portefeuilles. Nach 1.344,9 Mio. EUR im Vorjahr zeichneten wir im Berichtsjahr 1.382,3 Mio. EUR Bruttoprämie aus dem Ausland, wodurch sich dessen Anteil an der gesamten Bruttoprämie der E+S Rück auf 55 % erhöhte. Um jeweils einen Prozentpunkt wuchs dabei der Anteil Asiens und Australiens sowie Mittelund Südamerikas, wohingegen das Gewicht Nordamerikas um einen Prozentpunkt abnahm. Das Wachstum unseres internationalen Geschäfts überkompensierte im Berichtsjahr den leichten Rückgang im deutschen Portefeuille und führte zu einem Wachstum der gebuchten Bruttoprämie der E+S Rück um 21,2 Mio. EUR auf 2.523,9 Mio. EUR (2.502,7 Mio. EUR).
Prämienentwicklung - Schäden
Die gebuchte Bruttoprämie der Schaden-Rückversicherung erhöhte sich 2011 um 5,9 % auf 1.588,0 Mio. EUR (1.498,9 Mio. EUR). Ihr Anteil am gesamten Prämienvolumen der E+S Rück stieg infolgedessen auf 63 % (60 %). Dagegen reduzierte sich die gebuchte Bruttoprämie der Personen-Rückversicherung in den Sparten Leben und Kranken um 6,8 % auf 935,9 Mio. EUR (1.003,8 Mio. EUR).
Die verdiente Nettoprämie der E+S Rück stieg infolge unseres erhöhten Selbstbehalts um 2,1 % auf 1.986,5 Mio. EUR (1.945,9 Mio. EUR). Gleichzeitig sanken die Nettoschadenaufwendungen für Versicherungsfälle um 3,2 % auf 1.561,2 Mio. EUR (1.613,1 Mio. EUR), vor allem bedingt durch niedrigere Aufwendungen in den Sparten Kraftfahrt, Haftpflicht, Unfall, Transport und Leben.
Besonders bemerkenswert ist hierbei, dass sich die Nettoschadenaufwendungen trotz erhöhter Großschadenbelastung reduzierten. Auch wenn die Hurrikansaison in Nord- und Mittelamerika erneut recht moderat verlief, so hatte die (Rück-) Versicherungswirtschaft im Berichtsjahr doch außergewöhnlich hohe Belastungen zu tragen. Größtes Einzel-Ereignis war auch für uns das Erdbeben in Japan mit einer Nettobelastung von 25,1 Mio. EUR. Auch die Überschwemmungen in Thailand belasteten uns mit 17,4 Mio. EUR. Diese und weitere Großschäden resultierten in einer Netto-Großschadenbelastung für das Berichtsjahr von 107,2 Mio. EUR. Dieser Wert übertraf den bereits überdurchschnittlich hohen Wert des Vorjahres von 77,5 Mio. EUR deutlich.
Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb sanken im Vergleich zum Vorjahr (485,1 Mio. EUR) auf 465,9 Mio. EUR, primär in der Sparte Leben. Die Aufwendungen für die eigene Verwaltung blieben mit 32,2 Mio. EUR gegenüber dem Vorjahr (32,0 Mio. EUR) nahezu unverändert. Die Verwaltungskostenquote – das Verhältnis von Verwaltungskosten zur verdienten Nettoprämie – lag im Berichtsjahr unverändert bei 1,6 %.
Entwicklung der Kapitalmärkte
Mit der Entwicklung unserer Kapitalanlagen sind wir wiederum sehr zufrieden. Aufgrund der positiven versicherungstechnischen Mittelzuflüsse und sehr zufriedenstellender Kapitalanlageerträge stiegen unsere gesamten selbstverwalteten Kapitalanlagen deutlich auf 5,4 Mrd. EUR (5,0 Mrd. EUR) an. Auch die Depotforderungen gegenüber Zedenten aus dem in Rückdeckung übernommenen Versicherungsgeschäft erhöhten sich um 168 Mio. EUR auf 4,5 Mrd. EUR (4,3 Mrd. EUR).
Im März haben wir unser Portefeuille börsennotierter Aktien mit einem nahezu ausgeglichenen Veräußerungsergebnis verkauft. Zu diesem Schritt haben wir uns angesichts der unsicheren erweiterten Ausmaße der noch andauernden Fukushima-Katastrophe auf die Kapital- und Rückversicherungsmärkte entschlossen. Diese Entscheidung war im Rahmen unserer systematischen Risikosteuerung erforderlich geworden. Bei den Anleihen verfolgen wir nach wie vor die Politik eines gut diversifizierten Portefeuilles. Die Kurssteigerungen bei Anleihen mit hoher Bonität nutzten wir im Jahresverlauf zur Realisierung von Gewinnen.
Infolge der gestiegenen Kapitalanlagen lagen die ordentlichen Kapitalanlageerträge trotz des insgesamt gesunkenen Zinsniveaus rund 11 Mio. EUR über dem Vorjahreswert. Allerdings fielen die Erträge aus Zuschreibungen und unsere Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen zusammen 19 Mio. EUR niedriger aus. Da die Aufwendungen für Kapitalanlagen stabil blieben, lag unser Kapitalanlageergebnis 2011 mit 302,0 Mio. EUR knapp unter dem des Vorjahres (309,9 Mio. EUR) und ist eines der besten Kapitalanlageergebnisse in der Geschichte der E+S Rück.
Der aufgrund der Erhöhung der Schwankungsrückstellung angefallene versicherungstechnische Verlust und ein geringeres positives Ergebnis der sonstigen Erträge und Aufwendungen sorgten trotz des erfreulichen Kapitalanlageergebnisses für einen Rückgang des Ergebnisses der normalen Geschäftstätigkeit auf 156,9 Mio. EUR (228,6 Mio. EUR). Dank eines positiven Sondereffekts von 41,4 Mio. EUR aus der Rückerstattung von zu viel gezahlten Steuern und den darauf geleisteten Zinsen reduzierte sich unsere Steuerlast im Berichtsjahr auf 23,9 Mio. EUR (47,4 Mio. EUR). Unser Jahresüberschuss lag mit 133,0 Mio. EUR zwar unter dem herausragenden Wert des Vorjahres (176,0 Mio. EUR), dennoch ist dies nach 2007 und 2010 unser drittbestes Resultat seit Firmenbestehen und belegt die gestiegene Ertragskraft der E+S Rück auch in turbulenten Jahren.
Da aus dem Vorjahr 76,0 Mio. EUR Gewinn vorgetragen wurde und auch die Gewinnrücklagen nicht erhöht wurden, weist die E+S Rück für 2011 einen neuen Rekordbilanzgewinn von 209,0 Mio. EUR (176,0 Mio. EUR) aus. Unser Eigenkapital – ohne Einbeziehung des Bilanzgewinns – blieb mit 507,4 Mio. EUR gegenüber dem Vorjahr konstant. Unsere Garantiemittel – bestehend aus dem Eigenkapital ohne Bilanzgewinn, der Schwankungsrückstellung und ähnlichen Rückstellungen sowie den versicherungstechnischen Netto-Rückstellungen – wuchsen während des Berichtsjahres erneut kräftig um 503,5 Mio. EUR auf 8,9 Mrd. EUR. Vor allem die technischen Reserven nahmen zu, aber auch die Schwankungsrückstellung stieg deutlich an.