Der deutsche Haftpflichtmarkt erreichte laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) im Jahr 2021 ein Beitragsvolumen von 8,3 Mrd. EUR, ein Plus von 2,5 %. Damit haben sich auch im zweiten Jahr der Covid-19-Krise rückläufige Lohn- und Umsatzsummen nicht auf die gebuchten Beiträge ausgewirkt. Die Anzahl der Verträge sowie der Schadenaufwand für Geschäftsjahresschäden stiegen um 1,0 % bzw. 0,5 %.

Mit dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) hat der Gesetzgeber im November 2021 eine neue Pflichtversicherung für Vertragsärzte eingeführt. Bisher wurde eine Haftpflichtversicherung nur durch die Berufsordnungen gefordert. Mit dem GVWG wurde nun  erstmalig eine gesetzliche Versicherungspflicht geschaffen. Für Personen- und Sachschäden sind Mindestdeckungssummen zwischen 3 Mio. EUR und 5 Mio. EUR vorgeschrieben. Eine unmittelbare Auswirkung auf die Rückversicherung sehen wir gegenwärtig nicht.

Im Mai 2021 hat das Europäische Parlament die Europäische Kommission unter anderem zu einer Überarbeitung der EU-Umwelthaftungsrichtlinie aufgefordert. Die Empfehlungen des Europäischen Parlaments sehen beispielsweise eine Ausweitung des Anwendungsbereichs der  Umwelthaftungsrichtlinie, eine Einschränkung bestehender Haftungsausnahmen sowie die Einführung von Deckungsvorsorgepflichten und Fonds vor. Die Versicherung der öffentlich-rechtlichen Haftung für Umweltschäden erfolgt in Deutschland über die Umweltschadensversicherung (USV).  Diese Versicherung ist im deutschen Markt etabliert, eine weitere Haftungsverschärfung ist angesichts des hohen Standards an Umweltschutzmaßnahmen nicht angebracht.

Das Prämienvolumen im deutschen Geschäft stieg im Berichtszeitraum um 8,5 % auf 167,5 Mio. EUR (154,5 Mio. EUR). Das Prämienvolumen für das internationale Geschäft entwickelte sich ebenfalls sehr positiv und nahm um 19,9 % zu. Das Wachstum wurde insbesondere durch die  Ausweitung des Geschäfts in Nordamerika unterstützt. Der Anteil des deutschen Geschäfts an unserem Portefeuille sank folglich leicht auf 34,9 % (37,3 %).

Die gebuchte Bruttoprämie unseres gesamten Haftpflichtportefeuilles stieg im Berichtsjahr um 15,7 % auf 479,6 Mio. EUR (414,7 Mio. EUR). Die Schadenquote erhöhte sich aufgrund einer höheren Zuführung zu den Spätschadenrückstellungen auf 74,4 % (58,4 %). Das  versicherungstechnische Ergebnis vor Schwankungsrückstellung und ähnlichen Rückstellungen (netto) betrug im Jahr 2021 -23,0 Mio. EUR (47,9 Mio. EUR).

Der Schwankungsrückstellung und ähnlichen Rückstellungen wurde ein Betrag von 21,8 Mio. EUR (60,4 Mio. EUR) zugeführt.

Kennzahlen der Sparte Haftpflicht 2020-2021

Mio. EUR20212020
Gebuchte Bruttoprämie 479,6 414,7
Schadenquote (%) 74,4 58,4
Versicherungstechnisches Ergebnis (netto) -23,0 47,9