Unter den Sonstigen Versicherungszweigen werden die Sparten Kredit und Kaution, Kranken- und Sonstige Schadenversicherung sowie die Sonstige Sachversicherung ausgewiesen. Letztere beinhaltet die Zweige Extended Coverage, Verbundene Hausrat, Verbundene Wohngebäude, Einbruchdiebstahl und Raub, Leitungswasser, Sturm, Glas, Technische Versicherungen, Betriebsunterbrechung, Hagel und Tier. Die Sonstige Schadenversicherung umfasst die Zweige Rechtsschutz, Vertrauensschaden sowie Sonstige Vermögens- und Sachschäden. Ihrer Bedeutung entsprechend konzentrieren wir uns bei der Kommentierung der Sonstigen Zweige auf die Kredit- und Kautionsversicherung (inklusive politischen Risikos), die Naturgefahrendeckungen mit den Zweigen Verbundene Wohngebäude, Sturm und Hagel sowie die Technischen Versicherungen.

Die E+S Rück übernimmt das Kredit- und Kautionsgeschäft vor allem über die Quotenabgabe der Hannover Rück, die in diesem Bereich zu den Marktführern gehört. In der Kredit- und Kautionsversicherung sowie im Bereich des politischen Risikos waren die tatsächlich gemeldeten Schäden in Summe trotz der weltweiten Rezession als Folge der Pandemie nur leicht erhöht. Das ist das Ergebnis von vielfältigen staatlichen Unterstützungsprogrammen im fiskalischen und monetären Bereich wie auch von staatlichen Garantien zugunsten von überwiegend europäischem Kreditversicherungsgeschäft. In Ländern, in denen staatliche Garantien im Bereich des Kreditversicherungsgeschäftes zur Anwendung kamen, wurde ein signifikanter Teil des Schadenaufwandes an den jeweiligen Staat zediert, ebenso ein entsprechender Anteil der unterliegenden Prämie. Dies hatte zur Folge, dass die Prämienvolumina für Erst- und Rückversicherer im Bereich der Kreditversicherung vorübergehend zurückgegangen sind. Darüber hinaus hat sich in allen drei Produktlinien, Kredit- und Kautionsversicherung und im Bereich des politischen Risikos das Prämienwachstum aufgrund rückläufiger Wirtschaftsentwicklung weltweit verlangsamt.

Die anhaltende Unsicherheit aufgrund des schwachen wirtschaftlichen Umfelds führte dazu, dass der Rückversicherungsbedarf sowie die unterliegenden Preise leicht angestiegen sind. Auch wenn im Berichtszeitraum keine wesentliche Erhöhung der Schadenlast festgestellt werden konnte, kann davon ausgegangen werden, dass die aktuelle gesamtwirtschaftliche Lage dazu führen wird, dass die Insolvenzgefahr für einige Unternehmen und besonders in einigen Industriesektoren ansteigen wird.

Die Bruttoprämie in der Kredit- und Kautionsrückversicherung ging auf 78,6 Mio. EUR (82,7 Mio. EUR) zurück. Während das Kreditgeschäft aufgrund hoher Spätschadenreserven für eingetretene, aber noch nicht gemeldete Schäden eine kombinierte Schaden- / Kostenquote von 125,9 % (94,1 %) aufwies, verzeichnete das Kautionsgeschäft für 2020 einen Wert von 99,8 % (107,4 %).

Im weltweiten Naturkatastrophengeschäft haben wir unsere gewinnorientierte Zeichnungspolitik unverändert fortgesetzt. Unser Risikoappetit, den wir relativ zum vorhandenen ökonomischen Kapital festlegen, blieb im Vergleich  um Vorjahr im Geschäftsjahr 2020 unverändert. Insgesamt betrachtet zeichnete sich das Jahr 2020 erneut in vielen Regionen durch eine erhöhte Frequenz an Großschäden aus Naturkatastrophen aus. Unter anderem wurde ein neuer Rekord bei der Anzahl von schweren tropischen Stürmen im Atlantik aufgestellt. Die Wirbelstürme richteten dabei diverse Schäden in der Karibik und den USA an. Hinzu kamen großflächige Waldbrände in den westlichen Staaten der USA, Tornados, Hagelschläge und der sogenannte „Derecho“, ein Starkwindereignis im Mittleren Westen mit einer Windgeschwindigkeit, die mit einem Hurrikan der Kategorie 4 vergleichbar ist. Das führte im Naturkatastrophengeschäft insgesamt zu Preiserhöhungen. Die stärksten Anpassungen waren erneut bei schadenbelasteten Programmen zu verzeichnen.

Die Bruttoprämieneinnahmen in den Sparten Sturm und Hagel stiegen auf 130,5 Mio. EUR (103,1 Mio. EUR). Hier wurden vor allem Hagel-Deckungen deutlich mehr nachgefragt. In der Sparte Sturm war ein deutlicher versicherungstechnischer Verlust zu verbuchen, der auch durch das positive Ergebnis in der Hagelsparte nicht kompensiert werden konnte.

In der Sparte Verbundene Wohngebäude stiegen die Prämieneinnahmen auf 77,4 Mio. EUR (74,2 Mio. EUR). Die Schadenquote verbesserte sich im Berichtsjahr auf 50,5 % (55,0 %).

In der Sparte Betriebsunterbrechung stieg die gebuchte Bruttoprämie deutlich auf 144,6 Mio. EUR (51,2 Mio. EUR). Wesentlicher Grund hierfür war eine ergebnisneutrale Umgliederung zwischen den Sparten Feuer und Feuer-Betriebsunterbrechung. Das versicherungstechnische Ergebnis wurde hauptsächlich negativ beeinflusst durch die Untersparte der Sonstigen Betriebsunterbrechungen. Hierin sind überwiegend die aus Deutschland gemeldeten Schäden durch Betriebsschließungen aufgrund der Covid-19-Pandemie enthalten.

Die Betriebsschließungsversicherung stellt eine besondere Form der Betriebsunterbrechungsversicherung dar. Die Betriebsschließungsversicherung soll einen finanziellen Schaden aufgrund der Schließung nach Auftreten einer meldepflichtigen Krankheit oder eines Krankheitserregers im Betrieb auffangen.

In Summe stieg die Bruttoprämie in den Sonstigen Versicherungszweigen um 28,9 % auf 668,1 Mio. EUR (518,4 Mio. EUR). Die Schadenquote in den Sonstigen Versicherungszweigen betrug im Berichtsjahr 86,3 % (66,5 %). Das versicherungstechnische Ergebnis lag bei -117,7 Mio. EUR (-6,4 Mio. EUR). Diese negative Entwicklung war im Wesentlichen getrieben durch eine gestiegene Großschadenbelastung – insbesondere durch die Covid-19-Pandemie – und eine höhere Zuführung zur Spätschadenrückstellung im Vergleich zum Vorjahr.

Der Schwankungsrückstellung und ähnlichen Rückstellungen wurden in den Sonstigen Zweigen insgesamt 6,4 Mio. EUR entnommen, nachdem im Vorjahr 8,4 Mio. EUR zugeführt wurden.

Kennzahlen Sparte Sonstige Zweige 2019-2020

Mio. EUR20202019
Gebuchte Bruttoprämie 668,1 518,4
Schadenquote (%) 86,3 66,5
Versicherungstechnisches Ergebnis (netto) -117,7 -6,4