Hier geben wir Ihnen einen Überblick über die Entstehung der Rückversicherung, deren Entwicklung bis heute ins 21. Jahrhundert. Sie finden Informationen zum Markt und der aktuellen Situation der E+S Rück.

Entstehung der Rückversicherung

Diese "ur-traditionelle" Rückversicherungsform findet ihre Anfänge im 14. Jahrhundert. Zur damaligen Zeit waren die Menschen im besonderen Maße abhängig von der Seefahrt, die sämtliche Güter und Nahrungsmittel über eine weite Entfernung zu den Handelsstätten beförderte. Zur Absicherung des Verlustes von Warenladungen, wurden Seeversicherungs­verträge geschlossen. Der Erstversicherer, der die Ladung versicherte, gab den gefährlichen Teil der Strecke bei einem anderen Versicherer in Rückdeckung. Der erste nachweisliche Vertrag datierte vom 12.07.1370, wo eine Warenladung auf dem Seeweg von Genua nach Sluis versichert war. Dieser Vertrag wird als Geburtsort des Rückversicherungs­gedankens angesehen.

Bis heute hat sich dieser Gedanke der Risikoaufteilung fortgeführt. Die damalige Versiche­rungsform hat auch heute noch Bestand und ist in der Sparte Transport angesiedelt. Über die Jahrhunderte kamen weitere Sparten hinzu, die rückversichert werden.

Heute, im 21. Jahrhundert, betreibt die E+S Rück im Bereich Schaden-Rückversicherung folgende Sparten: Feuer, Haftpflicht,  Unfall, Kraftfahrt, Luftfahrt, Transport, Kredit, Kaution und sonstige Zweige (z. B. Rechtsschutz, VHV, VGV, Hagel, etc.); und zwar ent­weder auf der Basis des obligatorischen Vertragsgeschäftes oder im Wege der fakultativen (Einzelrisiko-) Rückversicherung.

Allgemeiner Überblick 2018

Die deutsche Wirtschaft setzte 2018 ihre Aufschwungsphase der Vorjahre fort. Das Wachstum geriet aber zunehmend ins Stocken. Im dritten Quartal ging die Wirtschaftsleistung sogar zum ersten Mal seit drei Jahren zurück. Die Gründe, namentlich Produktionsstörungen in dem für Deutschland besonders wichtigen Fahrzeugbau und Transportschwierigkeiten auf den Binnengewässern, sind zwar nur temporärer Natur. Angesichts der hohen Kapazitätsauslastung fällt es den Unternehmen aber zusehends schwerer, ihre Produktion weiter in hohem Tempo auszuweiten. Besonders augenscheinlich ist dies in der Baubranche. Über das Gesamtjahr betrachtet stieg das Bruttoinlandsprodukt kalenderbereinigt um 1,5 % und damit 0,7 Prozentpunkte geringer als im Vorjahr. Die gedrosselte Fahrzeugproduktion strahlte nicht nur auf die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche aus, sondern auch auf die binnen- und außenwirtschaftlichen Verwendungskomponenten Konsum, Investitionen und Exporte. Die privaten Haushalte hielten sich trotz steigender Einkommen zurück. Ihre Ausgaben stiegen um 1,1 % (1,8 %). Und auch die Unternehmen weiteten ihre Investitionen mit 2,3 % nur zögerlich aus (2,9 %).

Die Ausfuhren stiegen 2018 um 2,0 % (4,6 %). Dabei gingen die Ausfuhren nach Großbritannien und Russland merklich zurück, während sich die Warenlieferungen in die USA und nach China kräftig entwickelten. Die Einfuhren erhöhten sich mit einer Rate von 3,3 % ebenfalls geringer als im Vorjahr (4,8 %).

Die E+S Rück, „Der Rückversicherer für Deutschland“, betreut innerhalb des Hannover Rück-Konzerns den deutschen Markt und bietet ein auf die Besonderheiten dieses Marktes fokussiertes Angebot. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei diejenigen Gegenseitigkeitsvereine, mit denen wir eine durch ihre Beteiligung an der E+S  Rück unterlegte strategische Partnerschaft pflegen. Dank unseres exzellenten Ratings sowie der Kontinuität unserer Geschäftsbeziehungen sind wir in unserem Heimatmarkt ein gefragter Partner. Wir sind im deutschen Markt sehr gut positioniert und einer der Marktführer im weltweit zweitgrößten Markt der Schaden- Rückversicherung.

Das Rückversicherungsgeschäft betreiben wir in allen Sparten der Schaden-Rückversicherung sowie der Personen-Rückversicherung.

Branchenbezogene Rahmenbedingungen 2018

Das Jahr 2018 war für die deutsche Versicherungswirtschaft erneut herausfordernd. Kennzeichnend waren insbesondere das weiterhin niedrige Zinsniveau, hohe regulatorische Anforderungen und ein intensiver Wettbewerb. Für Unsicherheit in der Versicherungsbranche sorgten die weiterhin zähen Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien infolge des Brexit-Votums der britischen Bevölkerung. So konnte bis Jahresende keine Einigung erzielt werden und das Risiko eines harten Brexit zum 31. März 2019 beschäftigte die Märkte. Die Ungewissheit über die Gestaltung zukünftiger Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien sowie über die Arbeitnehmerfreizügigkeit ist allerdings auch allgemein ungünstig für die Volkswirtschaften der verbleibenden EU-Staaten, da sie die Planungssicherheit und Investitionsbereitschaft der Unternehmen beeinträchtigt.

Bereits kurz nach der Reformierung des europäischen Versicherungsaufsichtsrechts durch die Solvency-II-Richtlinie im Jahr 2016 stieß die Europäische Kommission im Berichtsjahr die erste Überprüfung der Standardformel für die Berechnung der aufsichtsrechtlichen Solvenzkapitalanforderung an. Als wesentliche Themen umfasste dies unter anderem Vereinfachungen der Standardformel sowie die Berechnung des Zinsänderungsrisikos, des Prämien- und Reserverisikos in der Nicht-Lebensversicherung, der latenten Steuern und der Risikomarge. Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) hatte der EU-Kommission dazu im Berichtsjahr technische Empfehlungen für die delegierte Verordnung vorgelegt. Grundlage dafür waren die Erfahrungen der nationalen Aufsichtsbehörden sowie der Versicherungsunternehmen in der Vorbereitungsphase und den ersten Jahren der Anwendung von Solvency II. Der Solvency-II-Review durch die EU-Kommission lief bis 31. Dezember 2018. Die Gesamtüberprüfung der Solvency-II-Richtlinie durch die EU-Kommission ist erst für das Jahr 2020 geplant.

Prämienentwicklung – Schäden

Das Brutto-Prämienvolumen unseres deutschen Geschäftes verringerte sich im Jahr 2018 nur leicht auf 1.142,2 Mio. EUR (1.160,9 Mio. EUR). Das Prämienvolumen unseres internationalen Geschäftes ging um 2,8 % etwas stärker auf 882,1 Mio. EUR (907,5 Mio. EUR) zurück. Insgesamt sank die gebuchte Bruttoprämie somit wie prognostiziert um 44,1 Mio. EUR auf 2.024,4 Mio. EUR (2.068,4 Mio. EUR). Die Bruttoprämie in der Schaden-Rückversicherung ging um 4,8 % auf 1.783,6 Mio. EUR (1.874,3 Mio. EUR) zurück. Ihr Anteil am gesamten Prämienvolumen der E+S Rück verringerte sich auf 88,1 % (90,6 %). Durch den Anstieg der Bruttoprämie in der Personen-Rückversicherung stieg deren Anteil am Gesamtgeschäft dementsprechend auf 11,9 % (9,4 %).

Die verdiente Nettoprämie der E+S Rück ging um 1,1 % auf 1.869,7 Mio. EUR (1.890,3 Mio. EUR) zurück. Der Selbstbehalt verringerte sich leicht auf 90,2 % (91,2 %). Die Nettogroßschadenbelastung lag mit 115,3 Mio. EUR deutlich unterhalb des Vorjahreswertes und auch unter dem Großschadenbudget von 130 Mio. EUR. Die gesamten Nettoschadenaufwendungen für Versicherungsfälle stiegen demgegenüber um 8,7 % auf 1.355,5 Mio. EUR (1.246,9 Mio. EUR). Der Nettodeckungsrückstellung wurden nach einem Rückgang im Vorjahr (-8,2 Mio. EUR) 13,0 Mio. EUR zugeführt.

Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb stiegen um 3,5 % auf 582,9 Mio. EUR (563,4 Mio. EUR) und auch die Verwaltungskostenquote – das Verhältnis von Verwaltungskosten zur verdienten Nettoprämie – lag mit 1,3 % oberhalb des Vorjahreswertes (1,0 %). In Summe verschlechterte sich das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung und ähnlicher Rückstellungen deutlich von 87,0 Mio. EUR auf -39,1 Mio. EUR. Der Schwankungsrückstellung und ähnlichen Rückstellungen wurden 72,5 Mio. EUR entnommen. Im Vorjahr lag dieser Wert aufgrund des Herausfallens des schadenreichen Jahres 2001 aus dem 15-jährigen Beobachtungszeitraum zur Berechnung der Schwankungsrückstellung mit 174,1 Mio. EUR noch deutlich höher. Das versicherungstechnische Ergebnis für eigene Rechnung ging somit deutlich von 261,1 Mio. EUR auf 33,4 Mio. EUR zurück.

Entwicklung der Kapitalmärkte

Bei der Entwicklung unserer Kapitalanlagen führten die am Markt zu beobachtenden leichten Renditerückgänge im europäischen Raum zu einem leichten Anstieg der Bewertungsreserven der Euro-Staatsanleihen. Im Bereich des US-Dollars hingegen waren über alle Laufzeitenbereiche hinweg teils deutliche Renditeanstiege zu verzeichnen. Da sich zusätzlich über nahezu alle Bonitätsklassen hinweg die Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen teils deutlich ausgeweitet haben, verringerten sich die saldierten unrealisierten Kursgewinne der festverzinslichen Wertpapiere und Rentenfonds auf 258,9 Mio. EUR (384,4 Mio. EUR). Andererseits ergaben sich insbesondere aus dem US-Dollar positive Währungseffekte. Zusammen mit dem erfreulichen operativen Cashflow führte dies zu einem stabilen Bestand an selbstverwalteten Kapitalanlagen in Höhe von 6,9 Mrd. EUR (6,9 Mrd. EUR). Dass die Kapitalanlagen nicht wie prognostiziert angestiegen sind, ist auf den Rückgang der unrealisierten Kursgewinne zurückzuführen. Die Depotforderungen gegenüber Zedenten aus dem in Rückdeckung übernommenen Versicherungsgeschäft blieben mit 1,9 Mrd. EUR (1,8 Mrd. EUR) ebenfalls stabil.

Die ordentlichen Kapitalanlageerträge lagen trotz geringerer Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren mit 186,1 Mio. EUR über dem Niveau des Vorjahres (175,3 Mio. EUR). Dies ist hauptsächlich auf deutlich gestiegene Erträge aus Anteilen in verbundenen Unternehmen zurückzuführen. Das Realisationsergebnis lag hingegen mit 73,7 Mio. EUR unter dem Vorjahreswert (92,2 Mio. EUR). Dies ist weitgehend auf die Liquidierung unseres Bestandes an nicht-strategischen, börsennotierten Aktien und Aktienfonds im Vorjahr zurückzuführen. Dies wurde nur teilweise durch höhere Realisierungserträge aus Investmentanteilen und festverzinslichen Wertpapieren kompensiert. Insgesamt ergab sich daher auch infolge gestiegener Abschreibungen mit 232,4 Mio. EUR ein Kapitalanlageergebnis etwas unter dem Niveau des Vorjahres (256,8 Mio. EUR). Dies entspricht einer Verzinsung der selbstverwalteten Kapitalanlagen von 3,1 %.