Hier geben wir Ihnen einen Überblick über die Entstehung der Rückversicherung, deren Entwicklung bis heute ins 21. Jahrhundert. Sie finden Informationen zum Markt und der aktuellen Situation der E+S Rück.

Entstehung der Rückversicherung

Diese "ur-traditionelle" Rückversicherungsform findet ihre Anfänge im 14. Jahrhundert. Zur damaligen Zeit waren die Menschen im besonderen Maße abhängig von der Seefahrt, die sämtliche Güter und Nahrungsmittel über eine weite Entfernung zu den Handelsstätten beförderte. Zur Absicherung des Verlustes von Warenladungen, wurden Seeversicherungs­verträge geschlossen. Der Erstversicherer, der die Ladung versicherte, gab den gefährlichen Teil der Strecke bei einem anderen Versicherer in Rückdeckung. Der erste nachweisliche Vertrag datierte vom 12.07.1370, wo eine Warenladung auf dem Seeweg von Genua nach Sluis versichert war. Dieser Vertrag wird als Geburtsort des Rückversicherungs­gedankens angesehen.

Bis heute hat sich dieser Gedanke der Risikoaufteilung fortgeführt. Die damalige Versiche­rungsform hat auch heute noch Bestand und ist in der Sparte Transport angesiedelt. Über die Jahrhunderte kamen weitere Sparten hinzu, die rückversichert werden.

Heute, im 21. Jahrhundert, betreibt die E+S Rück im Bereich Schaden-Rückversicherung folgende Sparten: Feuer, Haftpflicht,  Unfall, Kraftfahrt, Luftfahrt, Transport, Kredit, Kaution und sonstige Zweige (z. B. Rechtsschutz, VHV, VGV, Hagel, etc.); und zwar ent­weder auf der Basis des obligatorischen Vertragsgeschäftes oder im Wege der fakultativen (Einzelrisiko-) Rückversicherung.

Allgemeiner Überblick 2017

Die deutsche Wirtschaft setzte ihren Aufschwung der vorausgegangenen vier Jahre auch im fünften Jahr 2017 fort. Nach einem schwungvollen Jahresstart erhöhte sich die konjunkturelle Dynamik in den folgenden Monaten noch einmal, sodass das Bruttoinlandsprodukt vor  Kalenderbereinigung um 2,3 % (1,9 %) anstieg . Stärker als in den ersten drei Quartalen expandierte die deutsche Wirtschaft seit dem Eintritt in den Boom der Jahre 2006 / 2007 nur im Zuge der Aufholeffekte nach dem großen Konjunktureinbruch am Anfang des vorigen Jahrzehntes. Angesichts der sehr guten konjunkturellen Nachfrage nahm die Produktionsauslastung weiter zu, sodass zahlreiche Branchen ihre Kapazitätsgrenzen erreichten. Ausgesprochen ausgeprägt blieb die Auslastung in der Bauwirtschaft. Großen Anteil an der positiven Wirtschaftsentwicklung hatte weiterhin der private Konsum. Er profitierte von einer guten Beschäftigungssituation, steigenden Reallöhnen und den geringen Ölpreisen. Auch die anhaltend niedrigen Zinsen regten die Ausgaben der privaten Haushalte an.

Die Ausfuhren expandierten weiter lebhaft und stiegen 2017 um 4,3 % (2,6 %). Dabei wurden die Ausfuhren in den Euroraum und nach Asien ausgebaut, während die Ausfuhren in das übrige Europa und in die USA zurückgingen. Die Einfuhren erhöhten sich mit einer Rate von 4,8 % (3,9 %). Die Arbeitslosenquote sank 2017 auf 5,7 % (6,1 %) mit weiterer Tendenz nach unten. Dabei nahm die Zahl der inländischen Erwerbstätigen um mehr als 550.000 zu. Die Inflationsrate lag für Deutschland gemessen am Verbraucherpreisindex im Dezember 2017 bei 1,7 % (0,5 %).

Die E+S Rück, „Der Rückversicherer für Deutschland“, betreut innerhalb des Hannover Rück-Konzerns den deutschen Markt und bietet ein auf die Besonderheiten dieses Marktes fokussiertes Angebot. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei diejenigen Gegenseitigkeitsvereine, mit denen wir eine durch ihre Beteiligung an der E+S Rück unterlegte strategische Partnerschaft pflegen. Dank unseres exzellenten Ratings sowie der Kontinuität unserer Geschäftsbeziehungen sind wir in unserem Heimatmarkt ein gefragter Partner. Wir sind im deutschen Markt sehr gut positioniert und einer der Marktführer im weltweit zweitgrößten Markt der Schaden- Rückversicherung. Das Rückversicherungsgeschäft betreiben wir in allen Sparten der Schaden-Rückversicherung sowie der Personen-Rückversicherung. Darüber hinaus übernimmt die E+S Rück im Zuge der  Risikodiversifizierung auch internationales Geschäft in der Schaden- Rückversicherung über eine Quotenabgabe der Hannover Rück.

Branchenbezogene Rahmenbedingungen 2017

Das Jahr 2017 war für die deutsche Versicherungswirtschaft erneut ein herausforderndes: Ein niedriges Zinsniveau, hohe regulatorische Anforderungen, intensiver Wettbewerb und eine ansteigende Schadenbelastung waren die prägenden Faktoren. Nach der erfolgreichen Einführung des europäischen Versicherungsaufsichtsrechts Solvency II im Jahr 2016 veröffentlichten im Berichtsjahr rund 350 deutsche und mehrere tausend europäische Versicherungsunternehmen erstmals ihren Bericht über Solvabilität und Finanzlage (Solvency and Financial Condition Report – SFCR). Die Versicherer berichten darin über alle Aspekte, die für ihre Geschäftstätigkeit und Risikolage relevant sind: das versicherungstechnische Ergebnis und das Anlageergebnis, das Governance-System einschließlich des Risikomanagementsystems und des internen Kontrollsystems, das Risikoprofil des Unternehmens, die für Solvabilitätszwecke vorgenommene Bewertung und das Kapitalmanagement. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld wirkte sich ebenfalls auf die deutsche Personen-Rückversicherung im Hinblick auf die traditionellen Lebensversicherungsprodukte aus: Sie haben inzwischen nicht nur merklich an Attraktivität verloren, sondern wurden teils durch neue, an die veränderte Zinslage angepasste Policen ersetzt. Nach der Einführung von Solvency II und den daraus resultierenden erhöhten Kapitalanforderungen war die Nachfrage nach  solvenzorientierten Rückversicherungslösungen weiterhin stark. Zudem stellt die gesetzliche Verpflichtung für Lebenserstversicherer, eine Zinszusatzreserve (ZZR) als Sicherheit für hochverzinste Altverträge anzusparen, eine nach wie vor große Herausforderung dar. Welchen Stellenwert dies hat, wird auch daran deutlich, dass von der Politik Unterstützungsmaßnahmen gefordert werden, die zu einer Verlangsamung des ZZR-Aufbaus führen sollen. Vor diesem Hintergrund wird sich die Nachfrage nach klassischen Kapitallebensversicherungen ebenso wie das  Einmalbeitragsgeschäft erneut rückläufig entwickeln, was nicht durch neue Produkte aufgefangen werden kann. Prämieneinnahmen aus klassischen Renten- und fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherungen bewegen sich voraussichtlich auf unverändertem Niveau. Insgesamt ist daher mit leicht sinkenden Beitragseinnahmen in der deutschen Lebensversicherung zu rechnen.

Prämienentwicklung – Schäden

Das Brutto-Prämienvolumen unseres deutschen Gesamtgeschäftes erhöhte sich im Jahr 2017 nur leicht auf 1.160,9 Mio. EUR (1.147,0 Mio. EUR). Das Prämienvolumen unseres internationalen Geschäftes wuchs mit 4,1 % deutlich stärker auf 907,5 Mio. EUR (871,7 Mio. EUR). Insgesamt stieg die gebuchte Bruttoprämie somit um 49,7 Mio. EUR auf 2.068,4 Mio. EUR (2.018,7 Mio. EUR). Besonders stark trug die Schaden-Rückversicherung mit einem Wachstum der Bruttoprämie um 12,3 % auf 1.874,3 Mio. EUR (1.656,6 Mio. EUR) dazu bei. Ihr Anteil am gesamten Prämienvolumen der E+S Rück erhöhte sich auf 90,6 % (82,1 %), während der Anteil der Personen-Rückversicherung sich auf 9,4 % verringerte (17,9 %).

Die verdiente Nettoprämie der E+S Rück stieg um 2,1 % auf 1.890,3 Mio. EUR (1.851,4 Mio. EUR). Der Selbstbehalt verringerte sich leicht auf 91,2 % (93,6 %). Die Nettogroßschadenbelastung stieg auf 153,1 Mio. EUR und lag deutlich oberhalb des Vorjahreswertes und nahezu exakt auf  dem Schadenerwartungswert von 150 Mio. EUR. Während die gesamten Nettoschadenaufwendungen für Versicherungsfälle um 9,7 % auf 1.246,9 Mio. EUR (1.380,5 Mio. EUR) zurückgingen, konnte die Nettodeckungsrückstellung mit 8,2 Mio. EUR deutlich entlastet werden (Vorjahr: -45,8 Mio. EUR).

Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb stiegen um 7,5 % auf 563,4 Mio. EUR (523,9 Mio. EUR). Die Verwaltungskostenquote – das Verhältnis von Verwaltungskosten zur verdienten Nettoprämie – reduzierte sich auf 1,0 % (1,5 %). In Summe verbesserte sich das  versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung und ähnlicher Rückstellungen auf 87,0 Mio. EUR und lag oberhalb des Vorjahreswertes von 36,1 Mio. EUR. Da das schadenreiche Jahr 2001 aus dem 15-jährigen Beobachtungszeitraum zur Berechnung der Schwankungsrückstellung herausgefallen ist, waren zudem insgesamt 174,1 Mio. EUR der Schwankungsrückstellung und ähnlichen Rückstellungen zu entnehmen (2,0 Mio. EUR). Das versicherungstechnische Ergebnis für eigene Rechnung verbesserte sich somit deutlich auf 261,1 Mio. EUR (38,0 Mio. EUR).

Entwicklung der Kapitalmärkte

Bei der Entwicklung unserer Kapitalanlagen führten die am Markt zu beobachtenden Renditeanstiege im europäischen Raum zu einem Rückgang der Bewertungsreserven der Euro-Staatsanleihen. Da sich diese Entwicklung – teilweise sehr deutlich – auch im kurzen bis mittleren  Laufzeitenbereich im Bereich des US-Dollars zeigte und nur zum Teil durch weitere Rückgänge bei Risikoaufschlägen auf Unternehmensanleihen kompensiert werden konnte, verringerten sich die saldierten unrealisierten Kursgewinne der festverzinslichen Wertpapiere und Rentenfonds auf 384,4 Mio. EUR (460,8 Mio. EUR). Insbesondere aus dem US-Dollar ergaben sich zudem negative Währungseffekte. Dennoch führte der erfreuliche operative Cashflow zu einem stabilen Bestand an selbstverwalteten Kapitalanlagen in Höhe von 6,9 Mrd. EUR (6,9 Mrd. EUR). Die Depotforderungen gegenüber Zedenten aus dem in Rückdeckung übernommenen Versicherungsgeschäft waren mit 1,8 Mrd. EUR (2,0 Mrd. EUR) rückläufig.

Die ordentlichen Kapitalanlageerträge lagen hauptsächlich aufgrund geringerer Erträge aus Depotforderungen, aber auch aus den selbstverwalteten festverzinslichen Wertpapieren, mit 175,3 Mio. EUR unter dem Niveau des Vorjahres (219,9 Mio. EUR). Das Realisationsergebnis lag hingegen mit 92,2 Mio. EUR deutlich über dem Vorjahreswert (24,0 Mio. EUR). Dies ist auf die Liquidierung unseres Bestandes an nicht-strategischen, börsennotierten Aktien und Aktienfonds zurückzuführen, die wir in der zweiten Jahreshälfte vorgenommen haben. Damit haben wir sowohl die  günstige Marktlage genutzt als auch unsere allgemeine Risikoposition reduziert und Kapital freigesetzt für potenzielle Reallokationen von Risiken. Insgesamt ergab sich daher auch dank geringerer Abschreibungen mit 256,8 Mio. EUR ein Kapitalanlageergebnis über dem Niveau des Vorjahres (224,8 Mio. EUR).