Hier geben wir Ihnen einen Überblick über die Entstehung der Rückversicherung, deren Entwicklung bis heute ins 21. Jahrhundert. Sie finden Informationen zum Markt und der aktuellen Situation der E+S Rück.

Entstehung der Rückversicherung

Diese "ur-traditionelle" Rückversicherungsform findet ihre Anfänge im 14. Jahrhundert. Zur damaligen Zeit waren die Menschen im besonderen Maße abhängig von der Seefahrt, die sämtliche Güter und Nahrungsmittel über eine weite Entfernung zu den Handelsstätten beförderte. Zur Absicherung des Verlustes von Warenladungen, wurden Seeversicherungs­verträge geschlossen. Der Erstversicherer, der die Ladung versicherte, gab den gefährlichen Teil der Strecke bei einem anderen Versicherer in Rückdeckung. Der erste nachweisliche Vertrag datierte vom 12.07.1370, wo eine Warenladung auf dem Seeweg von Genua nach Sluis versichert war. Dieser Vertrag wird als Geburtsort des Rückversicherungs­gedankens angesehen.

Bis heute hat sich dieser Gedanke der Risikoaufteilung fortgeführt. Die damalige Versiche­rungsform hat auch heute noch Bestand und ist in der Sparte Transport angesiedelt. Über die Jahrhunderte kamen weitere Sparten hinzu, die rückversichert werden.

Heute, im 21. Jahrhundert, betreibt die E+S Rück im Bereich Schaden-Rückversicherung folgende Sparten: Feuer, Haftpflicht,  Unfall, Kraftfahrt, Luftfahrt, Transport, Kredit, Kaution und sonstige Zweige (z. B. Rechtsschutz, VHV, VGV, Hagel, etc.); und zwar ent­weder auf der Basis des obligatorischen Vertragsgeschäftes oder im Wege der fakultativen (Einzelrisiko-) Rückversicherung.

Allgemeiner Überblick 2021

Die Weltwirtschaft konnte sich 2021 vom pandemiebedingten Einbruch des Vorjahrs erholen. Die Weltproduktion stieg nach Angaben des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) um 5,7 %, nachdem sie im Vorjahr um 3,1 % zurückgegangen war. Insbesondere in den ersten Monaten zog die Konjunktur trotz neuerlicher pandemiebedingter Beeinträchtigungen spürbar an. Die Auswirkungen der Pandemie blieben weitgehend auf den Dienstleistungssektor beschränkt. Industrieproduktion und Welthandel expandierten bis zum Frühjahr kräftig. In der zweiten Jahreshälfte ließ die Dynamik des wirtschaftlichen Aufschwungs in den meisten Regionen nach.

Die Arbeitslosenquote sank gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozentpunkte auf 5,7 %. Die Verbraucherpreise stiegen jahresdurchschnittlich um 3,1 % (0,5 %). Wesentliche Treiber waren Rohstoff- und Vorleistungspreisanstiege. 

Die E+S Rück betreut als „Der Rückversicherer für Deutschland“ innerhalb des Hannover Rück-Konzerns den deutschen Markt. Wir bieten ein auf die Besonderheiten dieses Marktes fokussiertes Angebot. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei diejenigen Gegenseitigkeitsvereine, mit denen wir  eine durch ihre Beteiligung an der E+S Rück unterlegte strategische Partnerschaft pflegen. Dank unseres exzellenten Finanzkraftratings sowie der Kontinuität unserer Geschäftsbeziehungen sind wir in unserem Heimatmarkt ein gefragter Partner. Wir sind hier sehr gut positioniert und einer der Marktführer in der Schaden-Rückversicherung. Das Rückversicherungsgeschäft betreiben wir in allen Sparten der Schaden- Rückversicherung sowie der Personen-Rückversicherung.

Darüber hinaus übernimmt die E+S Rück im Zuge der Risikodiversifizierung auch internationales Geschäft in der Schaden-Rückversicherung über eine Quotenabgabe der Hannover Rück. Diese Diversifikation ermöglicht uns den effizienten Einsatz unseres Kapitals. Die für den gesamten Konzern gültige Strategie unterstützt das übergeordnete Ziel: „Streben nach nachhaltiger Outperformance“. Unsere gesamten Geschäftsaktivitäten konzentrieren sich darauf, der bevorzugte Geschäftspartner für unsere Kunden zu sein. Daher stellen wir den Kunden mit seinen Anliegen in den Fokus. Zum Nutzen unserer Kunden und Aktionäre erzielen wir Wettbewerbsvorteile, indem wir das Rückversicherungsgeschäft mit niedrigeren Verwaltungskosten betreiben als unsere Wettbewerber. So sind wir einerseits überdurchschnittlich ertragsstark und können andererseits unseren Kunden  Rückversicherungsschutz zu wettbewerbsfähigen Konditionen anbieten.

Auf Basis eines klar definierten Risikoappetits steuert der Vorstand auch unter Zuhilfenahme des Risikomanagements das Unternehmen zur Wahrnehmung von Geschäftsmöglichkeiten bei langfristiger Sicherstellung unserer Finanzstärke.

Branchenbezogene Rahmenbedingungen 2021

In der Schaden-Rückversicherung war das Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr wesentlich von Naturkatastrophen geprägt. Deutschland verzeichnete im Jahr 2021 aufgrund der Flutkatastrophen infolge des Tiefdruckgebiets „Bernd“ im Juli und nach weiteren Unwetterereignissen wie  Hagelschlägen die historisch höchsten Schäden aus Naturkatastrophen. Für diese verursachten Schäden haben Versicherer und Rückversicherer in Deutschland laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rund 12,5 Mrd. EUR an Leistungen aufgewendet.

Das Thema der in einigen Regionen noch geringen Verbreitung von Elementardeckungen ist im Zuge des großen Sturzflutereignisses im Juli noch dringlicher geworden. Der GDV hat einen Vorschlag zur Verbesserung der Versicherungsdichte gemacht, den die E+S Rück unterstützt. In der  Vertragserneuerung 2021 konnte die E+S Rück ihre führende Position insgesamt weiter stärken und insbesondere in schadenbetroffenen Sparten teils deutlich verbesserte Rückversicherungsbedingungen und -preise erzielen. Zudem verzeichnen wir eine weiter zunehmende Nachfrage nach  qualitativ hochwertigem Risikoschutz. Grund hierfür waren die starken Belastungen aus Naturkatastrophen sowie beispielsweise ein zunehmendes Gefahrenbewusstsein bei Cyberdeckungen. In der Kfz-Rückversicherung waren regional signifikante Unwetterschäden zu verzeichnen. Gleichzeitig  war die Schadenlast aufgrund der eingeschränkten Mobilität durch die anhaltende Pandemie noch immer reduziert. Neben den direkten Folgen der Pandemie haben auch die anhaltend niedrigen Zinsen sowie die hohen Inflationsraten die Ergebnisse der Versicherungsbranche belastet. 

Prämienentwicklung – Schäden

Das Brutto-Prämienvolumen unseres deutschen Geschäfts stieg im Jahr 2021 um 9,0 % auf 1.571,0 Mio. EUR (1.441,1 Mio. EUR). Das Prämienvolumen unseres internationalen Geschäfts stieg im Vergleich noch etwas stärker auf 1.292,5 Mio. EUR (1.142,1 Mio. EUR). Die gebuchte Bruttoprämie erreichte insgesamt 2.863,5 Mio. EUR (2.583,3 Mio. EUR) und übertraf damit die Planung eines Wachstums im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich auf Basis konstanter Währungskurse. Dabei stieg die Bruttoprämie in der Schaden-Rückversicherung auf 2.632,9 Mio. EUR (2.354,9 Mio. EUR). Ihr Anteil am gesamten Prämienvolumen betrug damit 91,9 % (91,2 %). Die Bruttoprämie in der Personen- Rückversicherung stieg leicht auf 230,6 Mio. EUR (228,4 Mio. EUR). Ihr Anteil am Gesamtgeschäft sank auf 8,1 % (8,8 %).

Die verdiente Nettoprämie der E+S Rück stieg um 5,8 % auf 2.421,0 Mio. EUR (2.287,5 Mio. EUR). Der Selbstbehalt reduzierte sich infolge einer höheren Retrozession in der Sparte Kraftfahrt auf 85,7 % (91,3 %). Die Netto-Großschadenbelastung stieg auf 230,0 Mio. EUR (200,8 Mio. EUR) und  lag damit um 85 Mio. EUR über dem Großschadenbudget von 145 Mio. EUR für das Jahr 2021. Die größte Schadenbelastung für die E+S Rück ergab sich mit 91,5 Mio. EUR aus der Flutkatastrophe infolge des Tiefdruckgebiets „Bernd“, gefolgt von Sturm „Volker“ mit 30,6 Mio. EUR. Die gesamten  Nettoschadenaufwendungen für Versicherungsfälle betrugen 1.704,0 Mio. EUR (1.565,2 Mio. EUR). Der Nettodeckungsrückstellung wurden 39,1 Mio. EUR (31,1 Mio. EUR) entnommen. Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb stiegen um 3,1 % auf 774,2 Mio. EUR (751,0 Mio. EUR). Die  Verwaltungskostenquote – das Verhältnis von Verwaltungskosten zur verdienten Nettoprämie – lag mit 1,1 % (1,1 %) auf dem Niveau des Vorjahres.

In Summe reduzierte sich das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung und ähnlicher Rückstellungen vor dem Hintergrund der gestiegenen Großschadenbelastung auf -3,4 Mio. EUR (17,1 Mio. EUR). Der Schwankungsrückstellung und ähnlichen Rückstellungen wurden 36,1 Mio. EUR (134,9 Mio. EUR) zugeführt. Das versicherungstechnische Ergebnis für eigene Rechnung verbesserte sich aufgrund der deutlich geringeren Zuführung zur Schwankungsrückstellung als im Vorjahr auf -39,5 Mio. EUR (-117,8 Mio. EUR). 

Entwicklung der Kapitalmärkte

Das Kapitalanlageergebnis lag trotz des weiterhin niedrigen Zinsniveaus mit 167,5 Mio. EUR auf dem Niveau des Vorjahres (164,6 Mio. EUR). Das Realisationsergebnis betrug 41,0 Mio. EUR (40,9 Mio. EUR). Dies ist weitgehend auf Realisierungen im Zuge allgemeiner Portefeuillepflege sowie des Umbaus unseres Bestands an hochverzinslichen Anleihen zurückzuführen. Saldierte Zu- und Abschreibungen beliefen sich auf -6,2 Mio. EUR (-5,0 Mio. EUR). Die Depotzinserträge bewegten sich mit 21,7 Mio. EUR unter dem Niveau des Vorjahres (25,4 Mio. EUR). Die Verzinsung der  selbstverwalteten Kapitalanlagen belief sich auf 2,0 % (2,0 %) p. a.