Hier geben wir Ihnen einen Überblick über die Entstehung der Rückversicherung, deren Entwicklung bis heute ins 21. Jahrhundert. Sie finden Informationen zum Markt und der aktuellen Situation der E+S Rück.

Entstehung der Rückversicherung

Diese "ur-traditionelle" Rückversicherungsform findet ihre Anfänge im 14. Jahrhundert. Zur damaligen Zeit waren die Menschen im besonderen Maße abhängig von der Seefahrt, die sämtliche Güter und Nahrungsmittel über eine weite Entfernung zu den Handelsstätten beförderte. Zur Absicherung des Verlustes von Warenladungen, wurden Seeversicherungs­verträge geschlossen. Der Erstversicherer, der die Ladung versicherte, gab den gefährlichen Teil der Strecke bei einem anderen Versicherer in Rückdeckung. Der erste nachweisliche Vertrag datierte vom 12.07.1370, wo eine Warenladung auf dem Seeweg von Genua nach Sluis versichert war. Dieser Vertrag wird als Geburtsort des Rückversicherungs­gedankens angesehen.

Bis heute hat sich dieser Gedanke der Risikoaufteilung fortgeführt. Die damalige Versiche­rungsform hat auch heute noch Bestand und ist in der Sparte Transport angesiedelt. Über die Jahrhunderte kamen weitere Sparten hinzu, die rückversichert werden.

Heute, im 21. Jahrhundert, betreibt die E+S Rück im Bereich Schaden-Rückversicherung folgende Sparten: Feuer, Haftpflicht,  Unfall, Kraftfahrt, Luftfahrt, Transport, Kredit, Kaution und sonstige Zweige (z. B. Rechtsschutz, VHV, VGV, Hagel, etc.); und zwar ent­weder auf der Basis des obligatorischen Vertragsgeschäftes oder im Wege der fakultativen (Einzelrisiko-) Rückversicherung.

Allgemeiner Überblick 2020

Die Weltwirtschaft war 2020 von der Covid-19-Pandemie geprägt. Über das Jahr gesehen sank die Weltproduktion gegenüber dem Vorjahr um 3,8 % (Vorjahr: +3,0 %). Die rasante Verbreitung des Coronavirus führte in der ersten Jahreshälfte zu einem massiven Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität. Zum Herbst hin konnte sich die Weltproduktion erholen und zog in weiten Teilen wieder deutlich an: Im dritten Quartal stieg sie um fast 9 % und übertraf damit auch optimistische Erwartungen. In den Schlussmonaten wurde diese Erholung durch eine weitere Infektionswelle und entsprechende Maßnahmen zur Eindämmung gebremst.

Auf das Jahr gesehen sank die Wirtschaftsleistung 2020 um 7,2 % (Vorjahr: +1,3 %). Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahr nur leicht um 0,3 % (+1,2 %). Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 7,5 % auf 8,1 %.

Die E+S Rück betreut als „Der Rückversicherer für Deutschland“ innerhalb des Hannover Rück-Konzerns den deutschen Markt. Wir bieten ein auf die Besonderheiten dieses Marktes fokussiertes Angebot. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei diejenigen Gegenseitigkeitsvereine, mit denen wir eine durch ihre Beteiligung an der E+S Rück unterlegte strategische Partnerschaft pflegen. Dank unseres exzellenten Finanzkraftratings sowie der Kontinuität unserer Geschäftsbeziehungen sind wir in unserem Heimatmarkt ein gefragter Partner. Wir sind hier sehr gut positioniert und einer der Marktführer in der Schaden-Rückversicherung.

Das Rückversicherungsgeschäft betreiben wir in allen Sparten der Schaden-Rückversicherung sowie der Personen-Rückversicherung.

Darüber hinaus übernimmt die E+S Rück im Zuge der Risikodiversifizierung auch internationales Geschäft in der Schaden-Rückversicherung über eine Quotenabgabe der Hannover Rück. Diese Diversifikation ermöglicht uns den effizienten Einsatz unseres Kapitals. Die für den gesamten Konzern gültige Strategie unterstützt das übergeordnete Ziel: „Streben nach nachhaltiger Outperformance“. Dabei bilden Governance, Risikomanagement, Compliance und Corporate Social Responsibility die Fundamente für unser Wachstum als vertrauenswürdiger globaler Rückversicherungspartner. Unsere Performance-Treiber basieren auf bewährten Stärken und tragen den globalen Trends Rechnung, die sich auf die Versicherungs- und Rückversicherungsbranche auswirken. Um in einem sich ständig ändernden Umfeld herausragende Ergebnisse zu erzielen, sind wir bestrebt, der bevorzugte Geschäftspartner für unsere Kunden zu sein. Daher stellen wir den Kunden mit seinen Anliegen in den Fokus.

Zum Nutzen unserer Kunden und Aktionäre erzielen wir Wettbewerbsvorteile, indem wir das Rückversicherungsgeschäft mit niedrigeren Verwaltungskosten betreiben als unsere Wettbewerber. So sind wir einerseits überdurchschnittlich ertragsstark und können andererseits unseren Kunden Rückversicherungsschutz zu wettbewerbsfähigen Konditionen anbieten.

Auf Basis eines klar definierten Risikoappetits steuert der Vorstand auch unter Zuhilfenahme des Risikomanagements das Unternehmen zur Wahrnehmung von Geschäftsmöglichkeiten bei langfristiger Sicherstellung unserer Finanzstärke.

Branchenbezogene Rahmenbedingungen 2020

Die deutsche Versicherungswirtschaft schloss das Berichtsjahr dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge mit einem leichten Prämienwachstum ab. Während in der Schaden-Versicherung die Beitragseinnahmen um etwa 2 % anstiegen, ging die Anzahl der neu abgeschlossenen Verträge in der Lebensversicherung 2020 um gut 12 % zurück. Durch die pandemiebedingten Auswirkungen nahmen die Digitalisierung und das Gefahrenbewusstsein für Cyberrisiken im Jahr 2020 nochmals deutlich an Fahrt auf: Nachdem sich hier in den vergangenen Jahren das Prämienvolumen schon erhöht hatte, stiegen mit der Anzahl der Cyberangriffe auch die Schadenzahlen an. Hier gilt es nun, nicht nur aktuelle Sicherheitslücken zu schließen, sondern vor allem neue Standards zum Umgang mit veränderten Arbeitsbedingungen zu etablieren.

Des Weiteren sind als Folge der Covid-19-Pandemie in besonderem Maße kleine und mittelständische Unternehmen durch Betriebsschließungen betroffen. Hier wurden an Versicherungskunden entsprechend Schaden- oder Vergleichszahlungen im Rahmen bestehender Rückversicherungsverträge im Segment der Betriebsschließungsversicherung geleistet. Ähnliches gilt auch für die Veranstaltungsausfallversicherung.

Prämienentwicklung – Schäden

Das Brutto-Prämienvolumen unseres deutschen Geschäftes stieg im Jahr 2020 um 12,7 % auf 1.441,1 Mio. EUR (1.279,1 Mio. EUR). Auch das Prämienvolumen unseres internationalen Geschäftes stieg auf 1.142,1 Mio. EUR (1.052,7 Mio. EUR). Die gebuchte Bruttoprämie erreichte insgesamt 2.583,3 Mio. EUR (2.331,8 Mio. EUR) und übertraf damit die Planung eines Wachstums im niedrigen einstelligen Prozentbereich auf Basis konstanter Währungskurse. Dabei stieg die Bruttoprämie in der Schaden-Rückversicherung auf 2.354,9 Mio. EUR (2.096,1 Mio. EUR). Ihr Anteil am gesamten Prämienvolumen betrug damit 91,2 % (89,7 %). Die Bruttoprämie in der Personen-Rückversicherung reduzierte sich auf 228,4 Mio. EUR (235,7 Mio. EUR), sodass deren Anteil am Gesamtgeschäft dementsprechend auf 8,8 % (10,3 %) sank.

Die verdiente Nettoprämie der E+S Rück stieg um 9,5 % auf 2.287,5 Mio. EUR (2.088,7 Mio. EUR). Der Selbstbehalt blieb mit 91,3 % (91,0 %) nahezu auf Vorjahresniveau. Die Netto-Großschadenbelastung stieg auf 200,8 Mio. EUR (112,5 Mio. EUR) und lag damit oberhalb des Großschadenerwartungswertes von 130 Mio. EUR für das Jahr 2020. Davon entfielen allerdings 136 Mio. EUR auf den Schadenkomplex Covid-19. Ohne dieses Ereignis hätte die Nettoschadenbelastung innerhalb des Budgets gelegen. Die gesamten Nettoschadenaufwendungen für Versicherungsfälle betrugen 1.565,2 Mio. EUR (1.356,8 Mio. EUR). Der Nettodeckungsrückstellung wurden 31,1 Mio. EUR  (12,4 Mio. EUR) entnommen.

Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb stiegen um 20,5 % auf 751,0 Mio. EUR (623,3 Mio. EUR). Im Wesentlichen resultiert der Anstieg aus Neugeschäft im Bereich der strukturierten Rückversicherung in Verbindung mit hohen Gewinnanteilen. Die Verwaltungskostenquote – das Verhältnis von Verwaltungskosten zur verdienten Nettoprämie – lag mit 1,1 % (1,2 %) leicht unterhalb des Vorjahreswerts.

In Summe ging das versicherungstechnische Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung und ähnlicher Rückstellungen deutlich auf 17,1 Mio. EUR (133,1 Mio. EUR) zurück. Ursächlich für den Rückgang ist eine hohe Großschadenlast, im Wesentlichen bedingt durch Schäden infolge der Covid-19-Pandemie. Der Schwankungsrückstellung und ähnlichen Rückstellungen wurden 134,9 Mio. EUR (100,1 Mio. EUR) zugeführt. Das versicherungstechnische Ergebnis für eigene Rechnung sank daher deutlich auf -117,8 Mio. EUR (33,0 Mio. EUR).

Entwicklung der Kapitalmärkte

Die weiterhin niedrigen Zinsen machten sich auch im Berichtsjahr bei den ordentlichen Kapitalanlageerträgen aus festverzinslichen Wertpapieren bemerkbar. Sie lagen bei stabilem Bestand mit 103,5 Mio. EUR nur geringfügig über dem Niveau des Vorjahres (100,4 Mio. EUR). Die saldierten Zu- und Abschreibungen beliefen sich auf -5,0 Mio. EUR (-4,1 Mio. EUR). Die Depotzinserträge rangierten auf einem unveränderten Niveau von 25,4 Mio. EUR (25,2 Mio. EUR). In Summe erhöhten sich die ordentlichen Kapitalanlageträge im Berichtsjahr leicht auf 141,6 Mio. EUR (138,8 Mio. EUR).

Das Realisationsergebnis lag mit 40,9 Mio. EUR deutlich unter dem Vorjahreswert (68,9 Mio. EUR). Eine zurückhaltende Anlagepolitik im Jahr 2020 führte zu geringeren Umschichtungen von festverzinslichen Wertpapieren gegenüber dem vorangegangenen Jahr.

Die Abschreibungen auf Kapitalanlagen lagen mit 7,8 Mio. EUR unter denen des Vorjahres (8,7 Mio. EUR). Ihnen standen jedoch auch mit 2,8 Mio. EUR geringere Zuschreibungen gegenüber (4,6 Mio. EUR).

Insgesamt ergab sich somit ein Kapitalanlageergebnis, das mit 164,6 Mio. EUR unter dem Niveau des Vorjahres (192,3 Mio. EUR) liegt. Daraus ergibt sich eine Kapitalanlagerendite für die selbstverwalteten Kapitalanlagen von 2,0 % (2,4 %).