Hier geben wir Ihnen einen Überblick über die Entstehung der Rückversicherung, deren Entwicklung bis heute ins 21. Jahrhundert. Sie finden Informationen zum Markt und der aktuellen Situation der E+S Rück.

Entstehung der Rückversicherung

Diese "ur-traditionelle" Rückversicherungsform findet ihre Anfänge im 14. Jahrhundert. Zur damaligen Zeit waren die Menschen im besonderen Maße abhängig von der Seefahrt, die sämtliche Güter und Nahrungsmittel über eine weite Entfernung zu den Handelsstätten beförderte. Zur Absicherung des Verlustes von Warenladungen, wurden Seeversicherungs­verträge geschlossen. Der Erstversicherer, der die Ladung versicherte, gab den gefährlichen Teil der Strecke bei einem anderen Versicherer in Rückdeckung. Der erste nachweisliche Vertrag datierte vom 12.07.1370, wo eine Warenladung auf dem Seeweg von Genua nach Sluis versichert war. Dieser Vertrag wird als Geburtsort des Rückversicherungs­gedankens angesehen.

Bis heute hat sich dieser Gedanke der Risikoaufteilung fortgeführt. Die damalige Versiche­rungsform hat auch heute noch Bestand und ist in der Sparte Transport angesiedelt. Über die Jahrhunderte kamen weitere Sparten hinzu, die rückversichert werden.

Heute, im 21. Jahrhundert, betreibt die E+S Rück im Bereich Schaden-Rückversicherung folgende Sparten: Feuer, Haftpflicht,  Unfall, Kraftfahrt, Luftfahrt, Transport, Kredit, Kaution und sonstige Zweige (z. B. Rechtsschutz, VHV, VGV, Hagel, etc.); und zwar ent­weder auf der Basis des obligatorischen Vertragsgeschäftes oder im Wege der fakultativen (Einzelrisiko-) Rückversicherung.

Allgemeiner Überblick 2019

Geprägt durch eine zurückgehende Industrieproduktion stand die deutsche Wirtschaft 2019 im Zeichen des Abschwungs. Nach einem schwachen Sommer erholte sich das Wachstum zum Jahresende nur unwesentlich, sodass die Expansion im Jahresvergleich laut IfW um 1,0 Prozentpunkte auf 0,5 % sank. Die Ausfuhren zogen trotz der anhaltenden Flaute der weltweiten Industrieproduktion zuletzt zwar wieder an, konnten aber das schwache Frühjahr nicht kompensieren.

Insgesamt stiegen die Exporte 2019 um 1,3 % (Vorjahr: 2,1 %). Die Einfuhren erhöhten sich mit einer Rate von 2,4 % ebenfalls geringer als im Vorjahr (3,6 %). Die Arbeitslosenquote sank gegenüber dem Vorjahr um weitere 0,2 Prozentpunkte auf 5,0 %. Die Verbraucherpreise stiegen jahresdurchschnittlich um 1,4 % (Vorjahr 1,7 %).

Die E+S Rück, „Der Rückversicherer für Deutschland“, betreut innerhalb des Hannover Rück-Konzerns den deutschen Markt und bietet ein auf die Besonderheiten dieses Marktes fokussiertes Angebot. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei diejenigen Gegenseitigkeitsvereine, mit denen wir eine durch ihre Beteiligung an der E+S Rück unterlegte strategische Partnerschaft pflegen. Dank unseres exzellenten  Finanzkraftratings sowie der Kontinuität unserer Geschäftsbeziehungen sind wir in unserem Heimatmarkt ein gefragter Partner. Wir sind hier sehr gut positioniert und einer der Marktführer in der Schaden-Rückversicherung.

Das Rückversicherungsgeschäft betreiben wir in allen Sparten der Schaden-Rückversicherung sowie der Personen-Rückversicherung. Darüber hinaus übernimmt die E+S Rück im Zuge der Risikodiversifizierung auch internationales Geschäft in der Schaden-Rückversicherung über eine Quotenabgabe der Hannover Rück. Diese Diversifikation ermöglicht uns den effizienten Einsatz unseres Kapitals.

Die Strategie unterstützt das übergeordnete Konzernziel: „Werte schaffen durch Rückversicherung“. Unsere gesamten Geschäftsaktivitäten konzentrieren sich darauf, für Geschäftspartner die beste Option bei der Wahl des Rückversicherers zu sein. Daher stellen wir den Kunden mit seinen Anliegen in den Fokus und bieten zur Unterstützung unserer Rückversicherungslösungen auch Serviceleistungen an.

Zum Vorteil unserer Kunden und Aktionäre erzielen wir Wettbewerbsvorteile, indem wir das Rückversicherungsgeschäft mit niedrigeren Verwaltungskosten betreiben als unsere Wettbewerber. So sind wir einerseits überdurchschnittlich ertragsstark und können andererseits unseren Kunden Rückversicherungsschutz zu wettbewerbsfähigen Konditionen anbieten. Auf Basis eines klar definierten Risikoappetits steuert unser Risikomanagement das Unternehmen zur Wahrnehmung von Geschäftsmöglichkeiten bei langfristiger Sicherstellung unserer Finanzstärke.

Branchenbezogene Rahmenbedingungen 2019

Mit Blick auf die deutsche Versicherungswirtschaft ergab sich ein differenziertes Bild. Gemäß Informationen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schloss das Berichtsjahr mit einem leichten Prämienwachstum. Haupttreiber war danach das Einmalbeitragsgeschäft in der Lebensversicherung. Die Schaden- / Unfallversicherung konnte bei den volumenstärkeren Sparten, hier insbesondere in der Wohngebäude- sowie der Industrieversicherung, zulegen. Hier zeigen Sanierungsbemühungen erste Erfolge. In der Kraftfahrtversicherung reichen die bisherigen Beitragsanpassungen nicht aus, um die steigenden Ersatzteil- und Reparaturkosten zu kompensieren. Gleichzeitig sind in dieser Sparte aber die Schadenfrequenzen sinkend. Insgesamt dürfte der Originalmarkt der Schaden- / Unfallversicherung nach Schätzungen der E+S Rück wie im Vorjahr um rund 3 % gewachsen sein.

Nach vorläufigen Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) haben im Jahr 2019 erneut Stürme, Hagel und Starkregen in Deutschland versicherte Schäden an Häusern, Hausrat, Gewerbe, Industrie und Kraftfahrzeugen verursacht. Sie bezifferten sich danach auf 3,2 Mrd. EUR. Dabei haben sich die Leistungen für Sturm-, Hagel-, Blitz- und Überschwemmungsschäden an Kraftfahrzeugen Schätzungen zufolge gegenüber 2018 auf eine Milliarde verdoppelt. Allein aus der Unwetterserie und dem  Hagelereignis an Pfingsten ergab sich ein Schaden an Kraftfahrzeugen von 350 Mio. EUR. Insgesamt fällt jedoch die Naturgefahrenbilanz unterdurchschnittlich aus: 2,2 Mrd. EUR verursachten Sturm, Hagel und Naturgefahren wie Starkregen. Die Zahl liegt unter dem langjährigen Durchschnitt von 2,7 Mrd. EUR; die Stürme „Dragi“ und „Eberhard“ im März des Berichtsjahres schlugen dabei mit knapp 500 Mio. EUR zu Buche.

Prämienentwicklung – Schäden

Das Brutto-Prämienvolumen unseres deutschen Geschäfts erhöhte sich im Jahr 2019 um 12,0 % auf 1.279,1 Mio. EUR (1.142,2 Mio. EUR). Auch das Prämienvolumen unseres internationalen Geschäftes stieg von 882,1 Mio. EUR auf 1.052,7 Mio. EUR um mehr als 19 %. Die gebuchte Bruttoprämie erreichte insgesamt 2.331,8 Mio. EUR (2.024,4 Mio. EUR). Dabei stieg die Bruttoprämie in der Schaden-Rückversicherung auf 2.096,1 Mio. EUR (1.783,6 Mio. EUR). Ihr Anteil am gesamten Prämienvolumen beträgt nun 89,7 % (88,1 %). Der Anstieg der Prämieneinnahmen entspricht den Planungen bzw. liegt leicht darüber. Die Bruttoprämie in der Personen-Rückversicherung reduzierte sich auf 235,7 Mio. EUR (240,8 Mio. EUR), sodass deren Anteil am Gesamtgeschäft dementsprechend auf 10,3 % (11,9 %) sank. Die Gesellschaft hatte hier auch mit einem Rückgang gerechnet.

Die verdiente Nettoprämie der E+S Rück stieg um 11,7 % auf 2.088,7 Mio. EUR (1.869,7 Mio. EUR). Der Selbstbehalt erhöhte sich leicht auf 91,0 % (90,2 %). Die Netto-Großschadenbelastung lag mit 112,5 Mio. EUR (115,3 Mio. EUR) leicht unterhalb des Vorjahreswerts und auch unter dem Großschadenerwartungswert von 115 Mio. EUR (130 Mio. EUR). Die gesamten Nettoschadenaufwendungen für Versicherungsfälle blieben mit 1.356,8 Mio. EUR (1.355,5 Mio. EUR) in etwa gleich. Der Nettodeckungsrückstellung wurden 12,4 Mio. EUR (13,2 Mio. EUR) zugeführt.

Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb stiegen um 6,9 % auf 623,3 Mio. EUR (582,9 Mio. EUR). Die Verwaltungskostenquote – das Verhältnis von Verwaltungskosten zur verdienten Nettoprämie – lag mit 1,2 % (1,3 %) leicht unterhalb des Vorjahreswerts.
In Summe verbesserte sich das versicherungstechnische  Ergebnis vor Veränderung der Schwankungsrückstellung und ähnlicher Rückstellungen deutlich auf 133,1 Mio. EUR (-39,1 Mio. EUR). Der Schwankungsrückstellung und ähnlichen Rückstellungen wurden 100,1 Mio. EUR zugeführt, nachdem im Vorjahr 72,5 Mio. EUR entnommen wurden. Das versicherungstechnische Ergebnis für eigene Rechnung blieb daher mit 33,0 Mio. EUR (33,4 Mio. EUR) nahezu unverändert.

Entwicklung der Kapitalmärkte

Bei der Entwicklung unserer Kapitalanlagen führten die am Markt zu beobachtenden leichten Renditerückgänge zu einem merklichen Anstieg der Bewertungsreserven der Staatsanleihen. Da sich zusätzlich über nahezu alle Bonitätsklassen hinweg die Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen eingeengt haben, erhöhten sich die saldierten unrealisierten Kursgewinne der festverzinslichen Wertpapiere und Rentenfonds auf 361,9 Mio. EUR (258,9 Mio. EUR). Zusammen mit dem erfreulichen operativen Cashflow führte dies zu einem leicht gestiegenen Bestand an selbstverwalteten Kapitalanlagen in Höhe von 7,1 Mrd. EUR (6,9 Mrd. EUR). Die Depotforderungen gegenüber Zedenten aus dem in Rückdeckung übernommenen Versicherungsgeschäft blieben mit 2,0 Mrd. EUR (1,9 Mrd. EUR) stabil.

Die ordentlichen Kapitalanlageerträge lagen hauptsächlich infolge ausgebliebener Ausschüttungen aus unseren Immobilien- und Private Equity-Beteiligungen sowie geringerer Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren mit 138,6 Mio. EUR unter dem Niveau des Vorjahres (186,1 Mio. EUR). Auch das Realisationsergebnis lag mit 68,9 Mio. EUR leicht unter dem Vorjahreswert (73,7 Mio. EUR). Dies ist weitgehend auf das vergleichsweise hohe Realisierungsergebnis aus Investment anteilen im Vorjahr zurückzuführen. Dies wurde nur teilweise durch höhere Zu- und geringere Abschreibungen sowie die Depotzinserträge kompensiert, die auf 25,2 Mio. EUR (21,3 Mio. EUR) anstiegen. Insgesamt ergab sich daher mit 192,3 Mio. EUR ein Kapitalanlageergebnis unter dem Niveau des Vorjahres (232,4 Mio. EUR). Dies entspricht einer Verzinsung der selbstverwalteten Kapitalanlagen von 2,4 %.